Lass den Praktikanten mal ein paar Blogger anrufen… typischer Fehler in der PR für Apps

Wenn ich das vergangene Jahr zurückdenke und überlege, was gut und weniger gut war, fallen mir die unzähligen Anrufe von Praktikanten von App-Herausgeber-Firmen und deren Agenturen ein. Die fallen leider in die Kategorie negativ.

"Ich wollte Sie nur kurz nochmal daran erinnern, dass Sie noch immer nicht über unsere tolle App geschrieben haben" - so beginnen viele Anrufe bei uns. Das nervt und ist ziemlich schlechte Kommunikation mit den für App-Herausgeber so wichtigen Review-Seiten. (Foto: Picture-Factory - Fotolia.com)
„Ich wollte Sie nur kurz nochmal daran erinnern, dass Sie noch immer nicht über unsere tolle App geschrieben haben“ – so beginnen viele Anrufe bei uns. Das nervt und ist ziemlich schlechte Kommunikation mit den für App-Herausgeber so wichtigen Review-Seiten. (Foto: Picture-Factory – Fotolia.com)

Wenn App-Herausgeber einen Dialog mit Bloggern aufnehmen wollen, macht es sich nicht gut, wenn die ihre Praktikanten anrufen lassen. Ein typischer Anruf dieser „Mitarbeiter“ sieht nämlich so aus:

Hallo, hier ist Melanie Meier von XY_Apps. Wir haben Ihnen vor zwei Wochen eine Mail geschickt und auf unsere tolle App XX hingewiesen. Weil Sie immernoch nicht darüber geschrieben haben, wollten wir sie nochmal daran erinnern.

Wenn ich dann gerade noch freundlich nochmal den Namen der App wiederholen lasse, weil ich so schnell garnicht umschalten konnte, wird der Name der App dann nochmal wiederholt. Frage ich dann  aber, warum ich denn gerade diese App vorstellen sollte und was das Besondere an der App ist, müssen die Anrufen meist schon passen.

Ähhh, ja, hmmm, also die App… (längere Pause) … Moment bitte, ich frage mal eben nach…

Oft höre ich dann im Hintergrund ein offenbar cooles StartUp Stimmengewirr, wo der oder die Anrufer/in dann versucht, auf meine einfache Frage eine Antwort zu erhalten. Manchmal höre ich auch die vorgegebene Antwort. So kommt der bemitleidenswerte Anrufer oder die Anruferin dann zurück und gibt mir – leicht stockend wieder, was er oder sie von dem Gesagten verstanden und behalten hat. Der Filter dabei fällt sehr stark aus, es fallen also viele Aussagen schon unter den Tisch, bevor sie mich erreichen. Mit der nächsten Frage von mir wiederholt sich dann der Vorgang – und dabei kann die Frage ganz einfach sein. Mein bisheriger Rekord wurde in dieser Woche aufgestellt:

Fünf Fragen von mir – fünfmal auf eine Antwort warten, weil die Praktikantin keine Antwort wusste.

Liebe App-Herausgeber, wenn Ihr tatsächlich mit den für Euch so wichtigen Blogs und App Testern eine solche Kommunikation betreibt, dann führt das eher zur Ablehnung auf Seiten der Blogger. Ich möchte jetzt garnicht von Blog-Relations reden, sondern einfach nur davon, dass man den für den eigenen Erfolg wichtigen Gesprächspartnern kompetent gegenübertreten sollte. Und das bedeutet nun gerade nicht, dass man den neuen Praktikanten auffordert mal eben ein paar Blogs und App-Reviewer abzutelefonieren.

Wenn Ihr Euch die Arbeit erleichtern wollt, dann kann der Praktikant für Euch die Liste der interessanten Blogs zusammenstellen. Aber auch hier lauern Gefahren, denn manche Organisationen (so wie wir) betreiben einige Webseiten zu Apps. Und da kommt es nicht gut an, wenn man zu einer App an einem Tag von der gleichen Person gleich fünfmal angerufen wird.Interessant dabei: Selbst wenn ich mich melde, fällt der Fehler nicht auf, weil dann erst der Wasserfall-ähnliche Begrüßungs- und Ermahnungstext kommt. Erst wenn ich darauf hinweise, dass wir ja schon mehrfach das Vergnügen hatten, kommt die Entschuldigung oder auch mal einfach das direkte Trennen des Gesprächs.

Hier hilft es ungemein, die Liste dann noch einmal durchsehen und Dopplungen der aus dem Impressum entnommenen Rufnummern einander zuzuordnen. Dann wüsste man nämlich auch, wer zu wem gehört und spart überdies auch noch wertvolle Zeit – für sich selbst und für den angerufenen App-Reviewer.

Also: Bitte selbst anrufen, niemals „erinnern“ oder gar „mahnen“ und am Besten für den Blogger auch Informationen bereitstellen, die dieser nicht im App Store Beschreibungstext oder der App selbst finden kann.

Das Geschriebene gilt natürlich auch für Agenturen. Wenn die Kunden immer wüssten, wie die Agenturen sie vertreten, dann wären sie bei der Auswahl sicher kritischer. Highlight von heute:

Eine Beratung für Marketing, PR und TV aus „Cologne“ ruft uns an und fragt, ob wir die Pressemitteilung der App Chefkoch erhalten hätten, die man uns bereits vor über einer Woche geschickt habe.

Ich frage freundlich nach, ob das eine kostenlose App sei? Das wisse die Anruferin leider nicht, aber sie werde sich erkundigen… Da war mit klar, dass ich mit dieser PR-Dame garnicht weiter sprechen muss, denn zumindest die Preisgestaltung der App sollte ihr bekannt sein.

Markus Burgdorf

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